Prestige-Bewerb

Österreich hat zwar bei einer EM (2019 in Tel Aviv) schon einmal Bronze im Mixed-Bewerb geholt, aber noch nie bei einer WM die erste Runde überstanden – auch nicht jetzt in Baku. Denn gegen Aserbaidschan gab es am Sonntag mit der Wienerin Laura Kalinger eine 0:4-Niederlage. Aber dieser Bewerb ist, vor allem für große Nationen, eine echte Prestige-Angelegenheit. Und bei den Japanern (in Baku 4:1 im Finale gegen Russland) sitzt der (olympische) Stachel sehr tief …

Aserbaidschan als Hammerlos! Gegen die Gastgeber begann Österreich mit Maria Höllwart (Sanjindo Bischofshofen) in der Kategorie über 70 Kilo – die Salzburgerin unterlag Madina Kaisinova nur knapp mit Yuko. Danach erhöhte Olympiasieger Zelym Kotsoiev in der Klasse über 90 Kilo gegen Movli Borchashvilli mit einem schönen Ippon 49 Sekunden vor Ende der Kampfzeit auf 2:0 für Aserbaidschan. Kallinger (Judoring Wien), nach dem Ausfall des verletzten Stephan Hegyi die einzige Wiener WM-Judoka, war bis 57 Kilo gegen Khadiszha Gadashova eigentlich die bessere Kämpferin, doch auch sie verlor mit einem Yuko. Und den Schlusspunkt zum 4:0 setzte bis 73 Kilo Rashid Mammadaliyev mit Waza-ari gegen Österreichs Ersatzmann Firas Ben Saad (LZ Multikraft Wels). Damit mussten die WM-Silberne Michaela Polleres (bis 70 Kilo) und Thomas Scharfetter (bis 90 Kilo) nicht mehr auf die Tatami.

„Ich habe leider nicht gut gekämpft“, fand Laura nachher. „Sie hat mich einmal erwischt und mir ist es nicht gelungen, sie entscheidend zu kontern. Es wäre aber durchaus möglich gewesen.“ Noch in der Nacht auf Montag fliegt Österreichs Team mit der Silbernen von Polleres im Einzelbewerb nach Hause.

Das Maß aller Dinge bei den drei Männer- und drei Frauen-Klassen sind bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen Japan und Frankreich. Diese beiden Nationen bestritten fast alle Finalkämpfe. So setzte sich in den letzten acht Jahren immer, mit Ausnahme 2025, Japan durch. Im Vorjahr verloren die Japaner im Semifinale gegen Georgien, das danach gegen Korea gewann (siehe Statistik unten). Doch so viele WM-Goldene im Einzel und Mixed Japan auch hat – dass die Töchter und Söhne Nippons die bisherigen zwei olympischen Mixed-Finalkämpfe gegen Frankreich verloren haben, ist nahezu eine nationale Tragödie.

Wieder Japan-Gold – diesmal gegen Russland

Dieses Mal lautet das Finale nicht Japan gegen Frankreich, sondern Japan gegen Russland – weil die Franzosen, die schon in den Einzelbewerben ohne Gold geblieben waren, auch im Mixed enttäuschten. Die „Grande Nation“ musste sich nämlich schon im Viertelfinale Russland und dann in der Trostrunde Titelverteidiger Georgenjeweils knapp mit 3:4 geschlagen geben.

Die Japaner, die das Finale mit drei ihrer sieben Weltmeister – Akari Omori (bis 57 Kilo), Ryuka Tanaka (bis 73 Kilo) und Sanshiro Murao (bis 90 Kilo) – bestritten, kehrten indes auf die Erfolgsspur zurück und ließen den Russen (mit Tamerlan Bashaev statt Weltmeister Inal Tasoev im Schwergewicht) letztlich keine Chance – schnell führte man 3:0 (beginnend mit der Klasse bis 70 Kilo). Zwar verkürzte Bashaev auf 1:3, aber dann war Omori der Tori – am Ende 4:1 und ein klarer Sieg für die Asiaten.

Die Bronzemedaillen holten Georgien mit einem 4:1-Sieg im „kleinen Finale“ gegen China und Usbekistan, das die Mongolei mit 4:2 bezwang.

WM-Mixed-Bewerbe seit 2018 – Österreich und die Finalkämpfe

JAHRORTÖSTERREICH GEGENFINALE
2018Baku1:4 gegen AserbaidschanJAPAN – Frankreich 4:1
2019Tokio2:4 gegen FrankreichJAPAN – Frankreich 4:2
2020keine WMwegen COVID#
2021Budapestohne ÖsterreichJAPAN – Frankreich 4:0
2022Taschkent3:4 gegen UsbekistanJAPAN – Frankreich 4:2
2023Doha3:4 gegen MarokkoJAPAN – Frankreich 4:3
2024Abu Dhabi1:4 gegen KoreaJAPAN – Frankreich 4:1
2025Budpest0:4 gegen JapanGEORGIEN – Korea 4:1
2026Baku0:4 gegen AserbaidschanJAPAN – Russland 4:1
Foto: Auch Laura KALLINGER verlor ihren Kampf - "es wäre mehr drin gewesen" - @EJU / Gabi Juan

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