Mit Bezug zu Wien

Wie kann eine Veranstaltung besser beginnen als mit einer Goldmedaille für das Gastgeberland! Sonntag war das auch in Baku der Fall, als gleich am ersten Tag der Judo-WM 2026 Lokalmatador Ahmad Yusifov Weltmeister bis 60 Kilo wurde. Der 27-Jährige hat auch einen Bezug zu Wien. Vor zwei Jahren bestritt der Superleichtgewichtler acht Kämpfe für die damals noch dem Wiener Verband zugehörigen Galaxy Tigers. Er gewann sechs davon, verlor aber auch zwei – etwa jenes im Final Four gegen den Welser Daniel Leutgeb …

Aserbaidschans Langzeit-Staatspräsident (seit 2003) Ilham Alijev, der einen Besuch in der National Gymnastics Arena „im Laufe der Woche“ angekündigt hat, wäre am besten gleich am Sonntag in die Halle gekommen. Dass der an Nummer 5 gesetzte Yusifov Gold holen würde, hätte viel Geld bringen können. Er war im Finale gegen Sherzod Davlatov (KAZ), für den Silber auch die erste WM-Medaille bedeutete, schon mit Waza-ari im Rückstand, konnte das Finale und den Gegner aber noch drehen. Ein Sieg auf der IJF-World Tour, heuer beim Grand Slam in Taschkent, war bisher die einzige Ausbeute für Yusifov – und jetzt wurde er unter dem Jubel seiner Landsleute Weltmeister! Einen starken Anteil daran hat sicher auch ein alter Bekannter hierzulande: Der Münchner Richard Trautmann ist Cheftrainer bei den Aserbaidschanis …

Dabei könnte Yusifov nicht der einzige aserbaidschanische Champion dieser WM bleiben. Immerhin bringen die Gastgeber mit Hidayat Heydarov (bis 73 Kilo, Dienstag) und Zelym Kotsoiev (bis 100 Kilo, Freitag) noch zwei Olympiasieger von Paris 2024 und treffen übrigens am Sonntag im MIxed-Bewerb in Runde eins auf Österreich, der Sieger dann auf Japan. Man darf gespannt sein, was auf das ÖJV-Team zukommen wird. Der Herr Alijev wird sich wohl noch in die Arena begeben müssen …

Was auffällt: Aserbaidschan, mit rund 86.000 Quadratkilometern und 10 Millionen Einwohnern nur unwesentlich größer als Österreich, ist, vor allem im Kraftsport, eine Macht. Drei Olympiasieger im Judo (neben Heydarov und Kotsoiev noch Elnur Memmedli 2008 in Peking, bis 73 Kilo), Dazu nun vier Weltmeister (neben Yusifov, Heydarov und Kotsoiev auch Elkhan Mammadov 2013). Und wenn man sich den Nachwuchs anschaut: Bei den Kadetten gehen fast alle EM-Titel der letzten Jahre in den leichten Gewichtsklassen an AZE-Judoka, auch bei den Junioren sind die Talente vom Kaspischen Meer stark vertreten. Der Sport allgemein und Judo speziell hat in diesem Land offenbar einen anderen Stellenwert als bei uns …

Foto; Da gab´s in Finale kein Entrinnen - Ahmad YUSIFOV hält Gegner und Gold fest - @IJF / Emanuele Di Feliciantonio

Ähnliche Beiträge

  • Dengg fällt aus

    Hiobsbotschaft kurz vor der Unter-23-EM in der moldauischen Hauptstadt Chisinau – Elena Dengg (ESV Sanjindo) kann ab Freitag ihren Titel leider nicht verteidigen! Die 21-Jährige Juniorinnen-Weltmeisterin aus Bischofshofen laboriert an einer Angina und musste absagen. Unter den nun acht ÖJV-Judoka sind auch zwei Wiener dabei – Magamed Borchashvilli und Bernd Fasching (beide Galaxy/beide bis 81…

  • Sensation in Belgrad

    Auch wenn der seltene Gast auf Europas Judomatten, Teddy Riner, alle seine Kämpfe gewann, musste sich Favorit Paris St.-Germain im Finalturnier der Champions League in Belgrad abermals nur mit Platz drei begnügen. Den Titel bei den Männern holte das serbische Sensationsteam OJK Belgrad, das nach einem 3:0 im Semifinale gegen Riners Team auch im Finale…

  • Polleres holt Bronze – Magda Siebente

    Die Wimpassingerin Michaela Polleres (bis 70 kg) sorgte am Samstag mit Bronze in Budapest für die erste ÖJV-Medaille bei einem Grand Slam-Turnier im Corona-Jahr 2020. Aus Wiener Sicht gab es Rang 7 für Magda Krssakova (JC Sirvan/bis 63 Kilo) – ebenso wie für Lukas Reiter (Wimpassing/bis 73 kg) und Shamil Borchashvili (Wels/bis 81 kg). Hingegen…

  • Duell an Gold-Kathrin

    Das wird noch ein heißes Duell um das eine Olympia-Ticket für den ÖJV in der Frauen-Klasse bis 63 Kilo. Am Samstag gewann die Tirolerin Kathrin Unterwurzacher mit ihrem Grand Prix-Sieg in Taschkent das Duell gegen die Wienerin Magdalena Krssakova, die gute Siebente wurde, klar. Aber die Olympia-Quali dauert noch lang … Nachdem Krssakova bei der…

  • Unfassbare 24 Minuten: Abe darf zu Olympia

    Am Sonntag fand im Kodokan zu Tokio ein Judokampf statt, der auch ein WM-Finale hätte sein können. Aber nur einer der beiden japanischen Weltmeister bis 66 Kilo darf im Juli 2021 auf olympische Matten steigen. Im Entscheidungsduell setzte sich der zweifache Weltmeister Hifumi Abe gegen den aktuellen Weltmeister von Tokio 2019, Joshiro Maruyama, mit Waza-ari…

  • Kein Sieg beim EM-Debüt

    Mit 33 Jahren feierte der Mühlviertler Florian Doppelhammer am Freitag, dem ersten Tag der Judo-EM in Montpellier (FRA) sein Debüt bei einer Europameisterschaft – doch es gab kein Happy-End für den Lehrer und Landestrainer aus Oberösterreich. Flo musste sich in seinem ersten Kampf der Klasse bis 66 Kilo dem Esten Viljar Lipard nach 24 Sekunden…